Sehenswürdigkeiten
Schon im 18. Jahrhundert sammelten sich im Berlichingen’schen Archiv Jagsthausen Gegenstände aus dem Familienbesitz an. In das erwachende Nationalbewusstsein während des 7jährigen Krieges fiel dann in diesem Sinn Goethes Drama „Götz von Berlichingen“. Freifrau Franziska von Berlichingen erwarb in ihrer Begeisterung die eiserne Hand, die inzwischen in anderen Besitz übergegangen war, und übergab sie dem Grafen Joseph von Berlichingen. Dieser verleibte sie der Familiensammlung ein und erklärte sämtliche Gegenstände zum unveräußerlichen Besitz der Gesamtfamilie.
Die Schlossareale liegen mitten im Bereich des römischen Limes-Kastells Jagsthausen. Durch das Interesse der Familien und anderer Jagsthäuser kamen bis ins 20. Jh. viele römische Funde ins Schlossmuseum, das Gegenstände aus Familienbesitz, die eiserne Hand und andere an Götz von Berlichingen erinnernde Relikte sowie römische Funde aus dem Limes-Kastell und der römischen Zivilbesiedlung zeigt.
Öffnungszeiten:
Das Museum hat von April bis Oktober geöffnet.
Dienstag - Sonntag
13.30 - 16.00 Uhr
Führungen nach Vereinbarung
unter Telefon 07943 / 2245
Anschrift:
Schlossmuseum Jagsthausen
Schloßstraße 17
74249 Jagsthausen
Im Roten Schloss ist heute ein wunderschönes Restaurant mit Biergarten und Übernachtungsmöglichkeiten eingerichtet.
Weitere Informationen erhalten Sie unter:
| Das jüngste der drei Jagsthäuser Schlösser, das "Weiße Schloss". Es wurde 1792 erbaut. Die zweiflügelige Anlage wird von einer zentralen Mittelkuppel gekrönt. Sowohl die Kuppel selbst als auch die Fenster weisen letzte Anklänge des späten Barock auf. | ![]() |
Das Freilichtmuseum Römerbad im Ortskern von Jagsthausen zeigt den Grundriss eines römischen Militärbades um 200 n. Chr. Didaktische Tafeln, von Archäologen des Landesdenkmalamtes gestaltet, erklären in Wort und Bild das Badegebäude, seine Nutzung sowie seine Bedeutung für die Alltagskultur eines Kastellvicus am obergermanischen Limes.
Inschriftensteine, Teile einer Jupitergigantensäule, Ziegelstempel usw. werden ausgestellt und anschaulich erläutert. So stammen die älteste und die jüngste Inschrift vom vorderen Limes, dem zweitlängsten Bodendenkmal der Welt, aus Jagsthausen. Sie bilden die Grundlage der Datierung.
Ein ebenfalls mit didaktischen Tafeln versehener Weg führt vorbei an einem rekonstruierten römischen Brunnen zum Kastellbereich und zum Museum in der Götzenburg.
Ansprechpartner:
Förderverein Römerbad e. V.
Gemeindeverwaltung Jagsthausen
Hauptstraße 3
74249 Jagsthausen
Telefon 07943 / 9101-0
Telefax 07943 / 9101-50
info@gemeinde.jagsthausen.de
Öffnungszeiten:
Ganzjährig frei zugänglich bei freiem Eintritt, Erklärungen durch Schautafeln.
Führungen durch den Förderverein Römerbad e. V. nach Vereinbarung.
Altes Rathaus
Ausdruck des Selbstbewusstseins der früheren Einwohner Jagsthausens ist das "Alte Rathaus". Zugleich zählt es zu den ältesten erhaltenen Rathäusern im Landkreis Heilbronn.
1513 erbaut, 1861 und letztmals 1982 renoviert, weist es einen reich verzierten Fachwerkgiebel auf. Heute beherbergt es die Gemeindebücherei und dient so immer noch den Bürgern Jagsthausens. Ebenfalls im Alten Rathaus untergebracht ist das Friedrich-Krapf-Museum.
Friedrich-Krapf-Museum
Beständige Begleiter - Römische Keramik
Den Lebenslauf der Tonwaren im Leben der Menschen in römischer Zeit stellt das neu eingerichtete Museum in Jagsthausen dar. Anschaulich werden verschiedene Alltagsbereiche der Römer gezeigt, Illustrationen, Texte und Videoclips erläutern den Verwendungszweck, so dass ein
Einblick in römisches Leben um 200 n. Chr. möglich wird. Die Sammlung wurde bewahrt und archiviert von Gerhard Krapf, der sie von seinem Vater Friedrich übernommen hatte. Familie Krapf stellte sie als Dauerleihgabe zur Verfügung, um der Öffentlichkeit Zugang zu bieten und an den Sammler zu erinnern.
1910 bewarb sich Friedrich Krapf (*27.12.1885 in Eislingen) um die Schulleiterstelle in Jagsthausen, die zum letzten Mal noch über das Patronatsrecht durch die Herrschaft von Berlichingen verliehen wurde. Schon seit seiner Jugendzeit hatte ihn die Welt der Versteinerungen fasziniert. So konnte es kaum überraschen, dass ihn in Jagsthausen nicht nur die Muschelkalkformationen, sondern sehr bald auch die römischen Steine anzogen. Wie in die Welt der Petrefakten arbeitete er sich auch in die Archäologie der Römerzeit mit wissenschaftlicher Akribie ein. Soweit sein Lehrerberuf, sein Organisten- und Chorleiteramt und seit 1912 nach der Heirat mit der Lehrertochter Julie Vögele aus Roigheim die Familie es zuließen, führte er bei anstehenden Neubauten im Ort und auf der Gemarkung auf den Feldern Grabungen durch, die er vertraglich regelte, selbst finanzierte und wissenschaftlich dokumentierte. Dabei wuchs eine Sammlung römischer Keramik zusammen, die im Lande ihresgleichen sucht: Weinamphoren und Graburnen, Henkelkrüge und Reibschalen, Wasserleitungsröhren und feine Terra-Sigillata-Gefäße...
Dazu kommen 69 römische Münzen, Knochen, Gals-, Stein- und Metallfunde. Jedes Stück ist genau bezeichnet, Fundort und -umstände sind schriftlich niedergelegt, so dass noch heute die Forschung unter Einbeziehung neuerer Erkenntnisse den Krapfschen Fundus von mehr als 2000 Teilen wissenschaftlich verwerten kann. Da sich die provinzialrömische Archäologie inzwischen vor allem mit Alltag und Wirtschaft in Vicus und Kastell befasst, sind Friedrich Krapfs Befunde im Dorf und auf dem römischen Friedhof von anhaltender Bedeutung. Die Besuche zahlreicher bekannter Forscher - Paret, Hertlein, Goessler ... - in der Lehrerwohnung in Jagsthausen belegen ebenso wie Veröffentlichungen in den "Fundberichten aus Schwaben", Zeitungen und schließlich zusammenfassend im "Neckarsulmer Heimatbuch", dass Friedrich Krapf 1928 vollendete, den Rang des Heimatforschers. Im gleichen Jahr bereits wurde seine Sammlung in das Denkmalbuch des Landes Württemberg eingetragen, bis heute gilt das von F. Krapf ausgegrabene Gräberfeld als größter erforschter römischer Friedhof am obergermanischen Limes.
Öffnungszeiten von April bis Oktober:
| Jeden 1. Sonntag / Monat | 15.00 - 17.00 Uhr |
| sowie nach Vereinbarung | Tel. 07943 / 9101-0 |
Eintritt frei
Besonders lohnend ist der Museumsbesuch in Verbindung mit dem Besuch des Freilichtmuseums Römerbad (frei zugänglich) und des Museums in der Götzenburg!
| Bereits von weitem ist der achteckige, von einem spätbarock Dach gekrönte Turm der Kirche zu sehen, an den sich das schlichte gotische Schiff anschließt. Spätgotische Fenster nehmen den Turm seine Wucht und gliedern die Fassade. Im inneren der Ende des 15. Jahrhunderts erstmal erwähnten Kirche finden sich trotz der Brände des Jahres 1646 und 1751 noch Epitaphien und Reste von Wandmalerei. | ![]() |
Geschichte
| In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Freiherren von Berlichingen gehörenden Ort Olnhausen lebten jüdische Bürger bis 1942. Ihre Wurzeln reichen in die Zeit des 17. Jahrhunderts (Dreißigjähriger Krieg 1618 – 1648) zurück. Erstmals werden 1654 jüdische Einwohner am Ort genannt. Die höchste Einwohnerzahl wird um 1829 und wieder 1849 mit 158 Personen erreicht. Die jüdische Gemeinde wurde 1832 dem Rabbinat Berlichingen zugeteilt, später dem Rabbinat Mergentheim und schließlich dem Rabbinat Heilbronn. | ![]() |
Die jüdischen Familien lebten vom Handel, insbesondere mit Vieh. Um 1933 gehörten jüdischen Eigentümern noch 2 Viehhandlungen, ein Textilhandel, eine Gemischtwarenhandlung, zwei Gastwirtschaften, eine Bäckerei und eine Metzgerei.
1726 wird ein erster „Judenschulmeister“ verpflichtet, folglich war damals wohl ein Betsaal im Ort vorhanden. 1732 wird ein solcher in einem Privathaus genannt. 1736/37 erstellte die Herrschaft von Berlichingen eine neue Synagoge „gegen Schultheiß Kolben hinüber gelegen“. Es handelte sich um einen Betsaal in einem auf Kosten der Herrschaft errichteten Judenhaus, in dem auch bis zu vier jüdische Familien Wohnung fanden.
Für die Synagoge erhielt die Herrschaft jährlich vier Gulden Miete. Eine neue Synagoge wurde 1772/73 erbaut, für die Olnhäuser Bürger Handfrondienste leisteten. Das Bauholz und die Ziegel kamen aus Jagsthausen, Backsteine aus Widdern, Sandsteine aus Ohrnberg. Für die neue Synagoge bezahlte die jüdische Gemeinde jährlich 6 Gulden Konzessionsgeld.
Ende der 1870er-Jahre war die Synagoge durch „Ausweichen der Umfassungsmauern“ derart baufällig geworden, dass das Oberamt dem isrealitischen Vorsteheramt am 06. Juni 1879 die Auflage machte, die Synagoge möglichst bald zu renovieren. Dies war für die damals aus 18 Familien bzw. 116 Mitgliedern bestehende Gemeinde (1900: 95 Personen), in der etliche Familien in sehr armen Verhältnissen lebten, ein fast unmögliches Unterfangen und man zögerte die Renovierung so lange wie möglich hinaus.
1881 wurde nach Plänen des Neckarsulmer Amtsbaumeisters Lell mit dem Neubau einer Synagoge begonnen, der etwa 5.000 Gulden kostete. Ein bescheidener Staatsbeitrag von 300 Gulden verringerte die Schuldaufnahme etwas; der Neubau (Inneneinrichtung: sieben neue Sitzbänke für die Männer mit knapp 50 Sitzplätzen, Kinderstühle sowie Bänke auf der Frauenempore) wurde im Laufe des Sommers 1881 durchgeführt. Den Türsturz des alten Synagogeneingangs verwendete man auch im Neubau, so dass sich über dem Eingang weiterhin die Jahreszahl 1772 sowie als hebräische Portalinschrift ein Zitat aus Psalm 118,19 und das Berlichingensche Wappen befanden.
Seit 1900 verschwanden nach und nach die jüdischen Gasthäuser und die wenigen jüdischen Handwerksbetriebe. Bis 1910 bestand noch eine rituelle Bäckerei, eine koschere Metzgerei verbunden mit einer Viehhandlung.
Ende der 1920er-Jahre war die jüdische Gemeinde in Olnhausen durch Wegzug bereits sehr klein geworden und bestand nur noch aus sieben Familien und einigen alleinstehenden Personen. Gottesdienste in der Synagoge wurden jedoch noch gefeiert, es lies aber die Frage aufkommen, wie lange dies noch aufrecht erhalten werden konnte: „Mit bangem Herzen sieht man der Verwaisung dieses schönen Gotteshauses entgegen, wenn nicht wieder ein Zuzug von außer erfolgt...“ (1928).
Am 19. September 1931 wurde in schlichter Weise der Einweihung der Synagoge vor 50 Jahren gedacht.
Jüdische Einwohner waren vor 1933 Mitglieder der örtlichen Vereine und gehörten auch dem Gemeinderat an.
Der Antisemitismus fand wenig Resonanz, jüdische und christliche Bürger lebten freundschaftlich zusammen und noch in den ersten Jahres des Zweiten Weltkrieges versorgten christliche Bürger heimlich ihre jüdischen Nachbarn mit Lebensmitteln, andererseits rettete ein Jude das Vieh aus dem brennenden Stall eines Bauern, ein bemerkenswerter Fall von Nachbarschaftshilfe aus der Zeit nach der Kristallnacht.
Beim Novemberpogrom („Reichskristallnacht vom 09./1.11.1938“) wurde die Inneneinrichtung durch auswärtige Nationalsozialisten zerschlagen. Bis 1972 diente das Gebäude als Lager und Scheune, bis es abgerissen wurde, um dem Standort einer kleinen Sparkassenfiliale Platz zu machen (Standort: Rathausstraße 42). 2005 wich diese Filiale einem Wohnhaus.
Aufgrund der Judenverfolgungen und –ermordungen in der Zeit des Dritten Reiches kamen von den 1933 in Olnhausen wohnhaften 26 jüdischen Bürgern mindestens 13 in Konzentrationslagern ums Leben.
Schon seit einigen Jahren findet zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde und der Gemeindeverwaltung ein Gedankenaustausch statt, wie man der jüdischen Geschichte unseres Teilortes sowie des tragischen Schicksals dieser 13 Opfer gedenken könnte. Die Gemeindeverwaltung hat dann bei dieser Frage geschichtlicher Tragweite zwei Fachleute, Herrn Studiendirektior und Gemeinderat Heinrich Kühner sowie Herrn Markus Müller M.A, zu Rate gezogen.
Gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung kam man dann zu dem Ergebnis, am ehemaligen Standort der Synagoge, beim heutigen Feuerwehrgerätehaus Olnhausen, eine Gedenktafel anzubringen.
Diese Gedenktafel fiel schlicht und unspektakulär aus und strahlt dennoch Würde aus:
„Hier stand die Synagoge der jüdischen Gemeinde Olnhausen, die im November 1938 entweiht und verwüstet wurde.
Zum Gedenken an die jüdischen Einwohner, zur Erinnerung an das Leid, das ihnen angetan wurde, zur Mahnung an die Nachgeborenen.
Gemeinde Jagsthausen."
Die jüdische Gedenktafel wurde am 09.11.2007 enthüllt.













