Herzlich Willkommen
in der Heimat des Ritters Götz von Berlichingen

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Jagsthausen, eine liebenswerte Gemeinde - virtueller Ortsrundgang

„Wenn nichts mehr geht, geh laufen“ - dieses Motto hat sich unser Gästeführer Siegfried Krause zu Herzen genommen und verschiedene Wege durch und um Jagsthausen ausgearbeitet.

Sehen Sie die momentane Situation als Chance, die liebenswerten Kleinigkeiten Ihres Ortes sowie der Umgebung (neu) zu entdecken und bewusst wahrzunehmen; oder können Sie auf Anhieb sagen, wie viele Uhren der Kirchturm besitzt oder wie viele Bögen die alte Brücke hat?

Also, es gibt viele Wege durch Jagsthausen, die an Interessantem vorbeiführen. Was es damit auf sich hat, können Sie jeweils am ersten Mittwoch des Monats lesen und natürlich auch aktiv auf „Schusters Rappen“ nachvollziehen.

Jede Tour lüftet verschiedenste Geheimnisse, bietet historisches Wissen und lässt über manche Anekdote oder über unnützes Wissen schmunzeln.

Fragen, Anregungen, Kritik und Sonstiges gerne per E-Mail an Herrn Krause senden.

Neugierig geworden? Seien Sie gespannt.

Bereits veröffentlichte Touren und Vorschau

wobei wir schon mittendrin wären bei den Römern, die 160 bis 260 nach Christus hier mit Kastell, Römerbad und Vicus angesiedelt waren.

Aber was ist geblieben, außer den Straßennamen „Am Vicus“, „Am Kastell“, „Am Limes“ oder auch die „Grundschule am Römerbad“, die ihren Namen im übrigen Bernd Windmüller zu verdanken haben?

Das ist gar nicht so einfach, denn der Limes ist verschwunden und man kennt nur noch seinen Verlauf. Das Römerbad ruht nach wie vor tief in der Erde, was man sieht sind Rekonstruktionen. Also machen wir uns auf Spurensuche.

Wir beginnen unseren Spaziergang vor dem Roten Schloss und sind mitten in der ehemaligen Verwaltung des Kastells. In den Kellern der Häuser rundum, beispielsweise im alten Schulhaus auf der anderen Straßenseite, sind mit Sicherheit Steine aus den Ruinen des Kastells verbaut. Wie nah wir hier den Römern sind, zeigen die beiden Brunnen im Hof des Roten Schlosses als Zeitzeugen dieser Zeit. An ihnen vorbei verlassen wir den Schlosspark am oberen Tor.

Links sehen Sie einen Hügel, der nicht in das Gelände passt. Darunter befinden sich die Reste des Nordtores des Kastells.

Der Burggraben vor dem Eingang der Götzenburg ist ein weiteres Überbleibsel aus der Zeit der Römer, nämlich die Nordgrenze des Kastells. Herr von Hussen, der die Burg baute, hat sich wohl 1.000 Jahre nach den Römern sehr gefreut, hier die besten Voraussetzungen vorzufinden: einen bereits fertigen Burggraben und ganz viele Steine als Baumaterial.

Wir gehen rechts hinter der Burg in Richtung Rappen. Der achteckige Turm am oberen Ende, indem sich das Verlies befindet, ist um 1.500 auf einem runden Fundament errichtet worden. Aber woher stammt das? Wahrscheinlich weder aus der Römerzeit noch hat es etwas mit der ursprünglichen Burg zu tun.

Wir überqueren die Hauptstraße in Richtung Rappen und biegen nach circa 200 Metern rechts auf den Weinbergweg ab. Es ist ein Paradies für Tiere und auch die ersten Pflanzen sollten schon wachsen und blühen. Nur der Wein hat sich im Gegensatz zum Kochertal hier nicht so wohl gefühlt, sodass die Weinberge aufgegeben wurden und die Natur sich das Terrain zurückerobert hat. Nicht ganz, ein Weinberg am Ende des Weges hat den Kampf mit der Natur noch nicht ganz aufgegeben, Ausgang ungewiss. Auch der Druck auf die Mauern ist enorm, wie man unschwer erkennen kann.

Die erste Schautafel befindet sich am Ende des Weges. Wenn Sie von hier die Brücke anpeilen, können Sie den ungefähren Verlauf des Limes ohne Rücksicht auf das Gelände nachvollziehen, schnurgerade. „Wäre das nicht einfacher gegangen?“, fragt man sich. Doch, aber manchmal muss man scheinbar Sinnloses tun, um zu zeigen, dass man es kann, so dachten es wohl die Römer.

Jetzt die erste kleine Aufgabe für Sie:

Wenn Sie nun weiterlaufen in Richtung Radbrücke, verlassen Sie dann das ehemalige römische Reich oder betreten Sie es? Vor und nach der Radbrücke finden Sie zwei weitere Informationstafeln zu den Römern und zum Limes.

Nun haben Sie bei hoffentlich traumhaftem Wetter, drei Alternativen. Die erste wäre rechts unten an der Jagst, die zweite geradeaus auf dem Radweg oder links den Feldweg hoch am Limes entlang. Alle drei Wege führen zur Brücke, danach links und wieder rechts zum Römerbad.

Die Spaziergänge erheben nicht den Anspruch, tiefgründiges Wissen zu vermitteln, sondern sollen im besten Fall Ihr Interesse wecken, sich in diesem Fall Exponate anzuschauen und die entsprechenden Tafeln dazu zu lesen. Oder einmal, wenn es wieder geöffnet ist, das Römermuseum im Alten Rathaus zu besuchen. Herr Kühner steht Ihnen gerne Rede und Antwort. Wer nur völlig entspannt den Spaziergang machen möchte, sehr gerne.

Bei dem Gedenkstein am Eingang des Bades (das Original befindet sich im Schlossmuseum) möchte ich nun auf eine Anekdote und auf eine zweite Frage eingehen:

Die Frage: Die Schrift ist relativ gut erhalten, bis auf den Namen des Kaisers Geta. Ist das Zufall oder welchen Grund hat es, dass man ihn nur schwer lesen kann?

Die Anekdote: Bei der Führung einer Gruppe aus Stuttgart, Schwaben also, erklärte ich, dass der Stein an die Wiedereröffnung des Bades nach einer Totalrenovierung 45 Jahre nach Fertigstellung erinnert. „Scho nach 45 Joohr“, bemerkte ein älterer Schwabe aus Stuttgart. Ich fragte ihn, was er denn zu seiner Frau sagen würde, wenn er mit 25 Jahren geheiratet und gebaut hätte und sie ihn nach 45 Jahren, also mit 70 Jahren bitten würde, das Bad zu renovieren. „Des langt voll naus“, war seine trockene Antwort.

Bleiben Sie gesund! Wenn es Ihnen Spaß gemacht hat, bis zum nächsten Mal im April zum Thema „Zeitzeugen“.

Siegfried Krause

Fragen, Anregungen, Kritik und Sonstiges gerne per E-Mail an Herrn Krause senden.      

An der ersten Schautafel am Ende des Weinbergwegs würden Sie das römische Reich in Richtung Osten (Berlichingen) verlassen.

Hier befindet sich außerdem die Kreisgrenze zwischen Heilbronn und Hohenlohe und die evangelisch-katholische Glaubensgrenze.

Außerdem ist es tatsächlich kein Zufall, dass der Name Geta am Eingang des Römerbades nicht gut zu lesen ist.

Zu der Zeit waren die Brüder Geta und Caracalla (gleichnamige Therme in Baden-Baden) gemeinsam römische Kaiser, aber es war eine tödliche Rivalität zwischen den beiden. An Weihnachten 211 nach Christus war er am Mord von Caracalla Geta beteiligt.

Das genügte jedoch damals nicht. Es folgte die Verdammung des Andenkens, „damnatio memoriae“, wobei sämtliche erreichbare Bildnisse und Inschriften zerstört wurden, so auch der Name Geta auf der Gedenktafel in Jagsthausen.

Rundgang im Ort - 90 Minuten, kinderwagenfreundlich

“…sometimes I wish that I could freeze the pictures” - Abba

… das ist gar nicht nötig, denn das macht unser Gehirn ganz alleine, besser als jeder Computer. Es braucht nur manchmal Anregungen, um Gedanken wieder aus den Tiefen der Windungen hervorzuholen und die sollen Sie heute bekommen.

Start ist heute an der alten Brücke, die an sich mit ihrer typischen Bauweise aus den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts selbst schon ein Hingucker ist. „Zerstört 1945“ lesen wir auf der Gedenktafel an der Mauer - kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, von Bürgern, die immer noch an den Endsieg glaubten. Ein Krieg, der auch hierher viel Leid brachte, wie wir später noch sehen werden. Wenn Sie Richtung Ort gehen, sehen Sie nicht weit entfernt rechts im Hof die Reste der alten Stadtmauer und hier befand sich wohl ein Stadttor.

Nach circa 80 Metern geht es rechts das „Brückenbergle“ hinauf. Oben angekommen werfen Sie, bevor Sie links weitergehen, einen Blick nach rechts. Sie sehen auf engstem Raum vier typische Wirtshäuser, die scheinbar aus einer anderen Zeit stammen. Familienbetriebe mit Tradition und oft mit kunstvoll gestalteten Namensschildern, die an bessere Zeiten erinnern. Den Satz „Noch ein Glas Brandwein, und messt christlich“ kennen wir alle aus Goethes Götz. Der durchaus ehrbare Beruf des Wirts oder Schankwirts war weitverbreitet und oft waren es über die Grenzen hinaus bekannte Originale.

Auf die Suche nach den Zeitzeugen dieser alten Berufe und Handwerke, die heute zu Zeiten von „Retail Managern“ und „Front Office Managern“ scheinbar verschwunden sind, wollen wir uns heute begeben.

In einer der zahlreichen Wirtschaften, aus Datenschutzgründen nenne ich den Namen natürlich nicht, verging kein Tag, an dem der Wirt nicht mit zwei wohlbekannten Gästen Skat spielte. Man war so befreundet, dass der Wirt versprach: „Wenn ich euch überlebe, werde ich jeden Tag ein Viertel Trollinger über euer Grab gießen“. Wie es oft ist, verlor man sich aus den Augen, einer von den dreien starb und der andere kam nach Jahren in die Wirtschaft zurück. Er erinnerte sich an das Versprechen des Wirts und fragte diesen, ob er denn sein Versprechen auch einhalten würde. „Aber sicher“, antwortete dieser, „aber erst wenn das Viertel über meine Nieren gelaufen ist“.
In welcher der zahlreichen Wirtschaften war das wohl und dazu die erste Frage dieser Tour.

Wie viele Wirtschaften gab es eigentlich in früheren Zeiten in Jagsthausen? Tut mir leid, dass Ihnen „Google“ in diesem Fall nicht helfen kann.

Eines der Gasthäuser weist auf ein Handwerk hin, die Gaststätte Schmiedeeck trägt ihren Namen nicht zu Unrecht, denn im rechten Teil des Gebäudes war früher die Schmiede des Georg Herrmann, später von Edmund Zahn. Links war ein Zeitschriftengeschäft von Familie Bosserhoff.

Wir gehen links weiter durch die Kronengasse, wo wir noch mehr Hinweise auf das alte Handwerk finden werden. Laufen Sie nun weiter nach rechts der Kronengasse entlang, die heute etwas abseits ist. Zu Zeiten der Römer und des Mittelalters spielte sich hier das Leben ab. Am Eck zur Windmühlgasse steht ein interessantes und schön restauriertes Gebäude, welches im Volksmund „Kanzel“ genannt wird. Das war sicher eine Windmühle und somit gab es hier logischerweise den Müller.

Die Wirkungsstätte eines anderen Meisters, nämlich des Schulmeisters, sehen Sie am Ende der Gasse links. Eines der ältesten noch erhaltenen Schulhäuser, gebaut zu Zeiten des Götz. Auf dem freigelegten Eichenbalken erkennt man die Jahreszahl 1565. Gegenüber steht die Lutherlinde, wie ich finde etwas schmal für 200 Jahre. Aber ihre Wurzeln hatten es auch nicht leicht, erstens die ganzen Steine des Römerkastells und zweitens der unterirdische Gang zwischen Burg und Kirche, von dem einige ältere Mitbürger fest überzeugt sind.

Gehen Sie nun Richtung Burg vor dem Park rechts. Der Name „Keltergasse“ und das Eichenfass sowie die an der Hauswand gegenüber hängenden Fassreifen deuten darauf hin, dass hier die Kelter war. Tatsächlich war sie in dem hinteren Gebäude mit der Jahreszahl 1795. Hier befand sich nicht nur die ehemalige Saft- und Weinpresse, sondern auch die Tiefkühlanlage der Gemeinde. Heute ist darin die Schneiderei der Festspiele. Im Gebäude rechts war die Gemeindewaschküche und die Mangel. Schnaps gab es hier keinen, die Brennereien waren in dem Gebäude neben dem Gasthaus Ochsen in der Sennenfelderstraße und in der Hauptstraße 20.
Die Wagner Karl Fischer und nach dem Krieg Fritz Gaukel waren am Eck Hauptstraße/Austraße.

Wie Sie sehen, florierte das Handwerk in Jagsthausen. Familiennamen, wie beispielsweise Fischer, Schumacher und Bierbrauer zeugen noch heute davon und sind leicht zuzuordnen. Aber wie ist es bei Stecher, Schmeißer, Schmelzer oder Halter, und das ist die zweite Frage heute, haben Sie eine Idee?

Nun gehen wir Richtung Rappen, vorbei an der Kegelbahn und an der Burg. Bevor Sie die Straße überqueren, sehen Sie vor sich die Überreste eines Turms, der geschichtlich keine Bedeutung hat. Dieser Ort ist eine besondere Gedenkstätte für die Verstorbenen der beiden Weltkriege. Sehr gut sind uns einige Namen der Verstorbenen aus der heutigen Zeit als Mitbewohner von Jagsthausen bekannt und man kann nur erahnen, welche Geschichte und wie viel Leid hinter jedem einzelnen Namen verborgen ist.

Wir überqueren die Hauptstraße, gehen die Sennenfelderstraße entlang und kommen vorbei am Forsthaus sowie am Weißen Schloss. Danach biegen wir rechts in die Lange-Garten-Straße ab und gehen am Familienzentrum sowie an der Feuerwehr vorbei. Erst nach dem letzten Haus gehen wir wieder links in Richtung Brücke. Vor dem E-Werk gehen wir links die Stufen hinunter und finden hinter dem Haus (an der Giebelseite Richtung Brücke; leider etwas versteckt) an einer Mauer Zeitzeugen einer ganz anderen Art, die Marken der Hochwasserstände der Jagst. Beeindruckend, wie ich finde und viel zu schade, um hier fast unbeachtet vor sich hinzudämmern. Die Straßennamen „Mühlweg“ und „Am Mühlrain“ verraten, dass hier früher eine Mühle stand.

Der Rest des Weges ist einfach: Richtung Dorfladen, wo Sie hoffentlich wieder entspannt einen Kaffee trinken können.

Wenn Sie sich fragen, woher ich als Nichtjagsthäuser das alles weiß - ich hatte mit Erich Windmüller einen sehr guten Berater, dem ich hiermit herzlich danke. Passen Sie auf sich auf, bis zur nächsten Tour im Mai, die dann etwas rustikaler wird: „Was war, was ist und was bleibt“.

Siegfried Krause

Fragen, Anregungen, Kritik und Sonstiges gerne per E-Mail an Herrn Krause senden.

Haben Sie alle Gasthäuser zusammengebracht, die nach dem 2. Weltkrieg in Jagsthausen ansässig waren?

Es waren insgesamt14 Stück. Vier sehen Sie hier auf engstem Raum (das blaue Haus war ehemals das Gasthaus Sonne), der Ochsen war gleich rechts ums Eck; welch himmlische Zeiten...
Adler, Batzenhäusle, Krone Pfitzhof, Cafe Schmid, Cafe Schönblick, Felsenkeller, Götzenburg, Krone, Märchengarten, Ochsen, Rotes Schloss, Schmiedeeck, Sonne, Traube, Weinstube Wehrbach.
Nicht berücksichtigt sind die Besenwirtschaften Köhler, Pfaff, Scheer, Volpp und Dietz (Glaser).

...und wie sieht es bei den Nachnamen aus?

Stecher: Jemand, der für Bezahlung bei Zweikämpfen antrat oder ein Metzger.
Strecker: Jemand, der bei der Schuh- oder Handschuherstellung das Strecken des Materials übernahm oder im Mittelalter ein Folterknecht war.
Schmelzer: War ein Metallschmelzer.
Halter: Kommt von Hirte. Man ist fast geneigt zu sagen, dass sich da bis heute nichts verändert hat.

Fragen, Anregungen, Kritik und Sonstiges gerne per E-Mail an siggi_krause*Den Text zwischen den * loeschen, dies ist ein Spamschutz*@gmx.de senden.

3. Tour, Länge und Schwierigkeitsgrad bestimmen Sie selbst.

Es war einmal, so beginnen fast alle Märchen…

und unsere heutige Tour. Es war einmal eine funktionierende Schmalspurbahn, 750 mm breit, 39,1 km lang zwischen Möckmühl und Dörzbach.

Jahrzehntelang erfüllte sie die ihr zugedachten Aufgaben und sie würde dies sicher noch heute tun, wenn da nicht urplötzlich eine vermeintlich bessere Zeit angebrochen wäre. Dinge, die jahrelang funktionierten, waren auf einmal zu alt, zu langsam und nicht zukunftsträchtig genug. Schneller, größer, besser und vor allem mit Rendite war der Slogan - Stillstand war Rückschritt. Und das hat sie nicht überlebt, die wilde Helene, die von 1901 bis 1988 brav durch das untere Jagsttal gedampft war und die wohl manch einer gerne zurückhätte.

Mehr mit einem weinenden als mit einem lachenden Auge wollen wir ihr bei der heutigen Tour unsere Aufwartung machen und sie ein Stück ihres alten Weges begleiten. Ehre, wem Ehre gebührt.

Bevor Sie losgehen, ein Tipp: Rufen Sie im Internet die Homepage der Jagsttalbahn (www.jagsttalbahn.de) auf und tanken Sie völlig entspannt ein bisschen Nostalgie - es lohnt sich.

Was ist

…ein teilweise frustrierender Rest an Schienen und sonstigen Materialien und der ehrenwerte, aber verzweifelte Versuch von bewundernswerten Idealisten, die ein Stück Geschichte ins Jagsttal zurückbringen wollen. Hut ab.

Nun aber los. Olnhausen - Jagsthausen 3,3 km, Jagsthausen - Berlichingen 4,2 km und Berlichingen - Schöntal 2,0 km, das hört sich machbar an, umso mehr, da man sich ja das Auto nach Schöntal stellen kann oder vielleicht wieder einmal den Bus für die Rückfahrt nehmen könnte.

„Zwischen Olnhausen und Jagsthausen gab es einen kleinen Erdrutsch“ wurde mir gesagt, bevor ich mir den Abschnitt einmal genauer ansehen wollte. Wohl wahr, aber unterwegs musste ich dann feststellen, dass diese Aussage eine klitzekleine Untertreibung war. Dieser Streckenabschnitt ist wirklich sehr interessant, aber nur denjenigen zu empfehlen, die die absolute Herausforderung suchen, mit Abenteuerlust im Blut und Bergschuhen an den Füßen. Wenn Sie das tun, warum sollten Sie eigentlich nicht, orientieren Sie sich an den Schienen und mit etwas Glück kommen Sie irgendwann am Bahnhof Jagsthausen, einem typischen Bahnhofsgebäude aus dieser Zeit, an.

Auf diesem Streckenabschnitt soll sich im Spätherbst 1976 auch Folgendes zugetragen haben: Lokführer Hubert Haas aus Rengertshausen, ein Hohenloher durch und durch, fuhr mit seinem Zugbegleiter Hermann Braun auf der Gefällstrecke zwischen Jagsthausen und Olnhausen, als urplötzlich ein Hase zwischen die Schienen sprang und vor dem herannahenden Zug herhoppelte, eher entspannt und stressfrei. Er machte auch keine Anstalten, den Weg zwischen den Schienen zu verlassen. Der Abstand zwischen Lok und Hase verringerte sich dementsprechend dramatisch. Ob es nun pure Tierliebe war oder eine Art Seelenverwandschaft zwischen Haas und Has sei dahingestellt, auf jeden Fall bremste der Lokführer Haas die rund 500 Tonnen seines Gefährts ab und fuhr langsam hinter dem Hasen her. Als der Zugbegleiter nachfragte, was denn los sei, antwortete er in breitem Hohenlohisch: „En Hoosch überfährt koan Hoosch“ und das Leben des Hasen, der sich kurz danach in die Büsche schlug, war gerettet.

Hier am Bahnhof beginnt dann die Jagsttalbahntour für diejenigen, die es gerne etwas gemütlicher haben. Aber bevor Sie loslaufen, wollten Sie nicht immer schon eine richtige Weiche bedienen, nicht nur bei Märklin? Tun Sie es, ich musste 70 Jahre auf den Augenblick warten. Es funktioniert noch alles. Nach dem Bahnhof macht die Bahn einen Rechtsbogen und hier wird deutlich, warum man die Schmalspur gewählt hat. Neben den geringeren Kosten hatte sie im engen Jagsttal zusätzlich noch den Vorteil, einen kleineren Radius fahren zu können.

Sie gehen Richtung Ort, aber nicht über die Brücke, sondern kurz vorher rechts den kleinen Pfad zwischen Jagst und Bahnschienen entlang.

Apropos „Jagst überqueren“, kommt nun die etwas einfachere Frage für die heutige Tour. Wie oft hat die Bahn eigentlich auf ihrem Weg von Möckmühl nach Dörzbach die Jagst überquert?

Noch eine ernst gemeinte Warnung, auf dem folgenden Wegabschnitt bis zum Friedhof gibt es sehr viele Zecken, bitte unbedingt nachschauen oder, wer möchte, auf der anderen Seite der Jagst bis zum Friedhof gehen.

Hier am Friedhof soll sich der legendäre Nordbahnhof befunden haben, der nicht im Fahrplan vermerkt war. Trotzdem hielt hier das Bähnle des Öfteren außerhalb der Vorschriften, wenn sich eine Wandergruppe verspätet hatte oder ein schon bekannter Schüler morgens wieder einmal nicht rechtzeitig aus den Federn gekommen war. Entschleunigung pur, in der heutigen Zeit undenkbar. Manche erzählen auch, dass es hier bisweilen einen kleinen Umtrunk für das Zugpersonal gegeben haben soll. Wer weiß, dass jedoch im Anschluss die Bahn Schlangenlinien gefahren sein soll, ist mit Sicherheit frei erfunden.

Auf halbem Weg zur Radbrücke sehen Sie, wenn Sie Richtung Jagstufer blicken, dass der Biber auch aus seiner Winterruhe erwacht ist. Vor der Radbrücke folgen Sie rechts hoch dem Weg Nummer 3. Erstaunlich ist, wenn Sie links unten die Jagst sehen, dass dazwischen noch die Bahntrasse Platz hatte. Nach 300 m führt der Weg steil bergab links in den Wald. Unten überqueren Sie einen unbeschrankten Bahnübergang, gehen durch den Berlichinger Steinbruch und passieren kurz vor der Kirche den alten Berlichinger Bahnhof. Etwas weiter auf der linken Seite befindet sich gut sichtbar der ehemalige Wohnturm der Berlichingens. Hier wurden die neun Geschwister des Götz geboren.

Vor der Kirche müssen Sie sich nun entscheiden, ob Ihr Heimweh so groß ist, dass Sie geradeaus weitergehen, über die Jagstbrücke und auf dem Radweg zurück nach Jagsthausen. Zwischendrin überqueren Sie die Kreisgrenze, den Limes und die Glaubensgrenze, Sie erinnern sich sicher.

Apropos Grenze, da komme ich zur 2. Frage des Tages. Sie ist nun wirklich das Paradebeispiel für unnützes Wissen, das muss ich zugeben, aber da müssen Sie durch, leider wieder ohne Google.

Überquert die Bahn auf ihrem Weg von Möckmühl nach Dörzbach die badisch-württembergische Grenze und wenn ja, wie oft?

Wenn Sie sich entschlossen haben noch bis Schöntal zu gehen, müssen Sie vor der Kirche rechts die Hauptstraße überqueren, geradeaus durchs Industriegebiet „Flürlein“ und dann rechts hoch bis fast am Ende links die Firma LTI ist. Gehen Sie hinter das Gebäude, hier geht rechts der Wanderweg ab, den Sie benutzen dürfen, wenn Sie kein Pferd dabeihaben. Für den etwas unromantischen Weg durchs Industriegebiet werden Sie nun durch einen der schönsten Abschnitte entschädigt, fast wie im Gebirge. Genießen Sie es.  

Wenn Sie das Kloster sehen, können Sie das erste Brückle links nehmen, dann kommen Sie auf den Badeplatz vor dem Kloster. Oder Sie nehmen das zweite Brückle, dann kommen Sie durch den Klosterhof.
Ein Besuch der Klosterkirche lohnt sich immer und wenn der Kreuzgang (Treppen rechts neben der Klosterkirche) geöffnet ist, sollten Sie unbedingt dem Götz einen kurzen Besuch abstatten.

Was bleibt …

…ist, neben dem hoffentlich schönen Spaziergang, die Erinnerung an ein liebenswertes „Bähnle“, das zwar manchmal die Anwohner nervte, aber ich glaube unterm Strich würden wir sie gerne wieder nehmen, oder?

Leider ist es anders gekommen und ich spüre beim Betrachten der Tatsachen leider einen Hauch von Hoffnungslosigkeit. Aber auch aus diesen Dingen können wir (hoffentlich) lernen, dass

  • sich Projekte, wie die Reaktivierung der Bahn, nur gemeinsam realisieren lassen und selbst bei gemeinsamen Bemühungen die Natur ein sehr starker, fast übermächtiger Gegner ist,
  • Stillstand an einem gewissen Punkt nicht immer falsch sein muss.

Ach ja, die Märchen enden immer… und wenn sie nicht gestorben sind…

Bilden Sie sich am Ende Ihrer Wanderung zu diesem Bahnmärchen Ihre eigene Meinung. Denken Sie an die beiden Fragen und freuen Sie sich auf die nächste Tour „Stairway to heaven“, mehr wird noch nicht verraten

PS: Ich freue mich über die zahlreichen Rückmeldungen per E-Mail. Gerne gebe ich die Berichtigungen oder Ergänzungen weiter.

Die Krone Pfitzhof heißt im Volksmund Batzenhäusle. Es ist nicht auszuschließen, dass der Name von der Hohen Straße, einem alten Handelsweg, kommt. Dort musste man vielleicht Heller und Batzen als Zoll bezahlen. In dem Gebäude Kreissparkasse gab es früher eine Besenwirtschaft „Frieda Barth“. In der Windmühlgasse gab es allem Anschein nach auch einen Schuster. Die Anekdote mit dem Hasen wurde von mir mit freundlicher Genehmigung der Jagsttalbahnfreunde nacherzählt.

Siegfried Krause

Am 10. Februar 1898 wurde der Staatsvertrag zwischen dem Königreich Württemberg und dem Großherzogtum Baden über den Bau der Strecke, die 6-mal die Grenze überschritt, abgeschlossen.

Die Inbetriebnahme der Strecke war für den 10. Dezember 1900 geplant, jedoch wurde sie aufgrund von Erdrutschen in Folge eines Unwetters nur für den Güterverkehr freigegeben. Am 31. März 1901 folgte dann die Freigabe für den Personenverkehr. Der Betrieb wurde am 23. Dezember 1988 eingestellt, zu einer Stilllegung kam es nie.

Die Strecke überquert die Jagst und die Seckach in Möckmühl und dann die Jagst noch einmal bei Winzenhofen.

Am 10. Juli 2011 stimmten 55,7 Prozent der Bürger Widderns in einem Bürgerentscheid gegen die vom Gemeinderat unterstützten Pläne der Wiederaufnahme des Bahnbetriebs zwischen Widdern und Jagsthausen. Dass zuvor die Strecke zwischen Olnhausen und Jagsthausen von zahlreichen ehrenamtlichen Helfern wieder gängig gemacht wurde, war mehr als ärgerlich.

Fakten wurden schon vorher von der Verwaltung Möckmühl geschaffen, indem sie die Bahnbrücken über Jagst und Seckach abreißen ließ und mit dieser beschränkten (um beim Vokabular der Bahn zu bleiben) Weitsichtigkeit wurde dem Jagsttal und vielen seiner Bürger ein Bärendienst erwiesen.

P.S. Ich weiß zwar, dass die Bahn dreimal badisches Hoheitsgebiet befährt, aber nicht wo. Kann jemand helfen?

Siegfried Krause

Fragen, Anregungen, Kritik und Sonstiges gerne per E-Mail.

4. Tour, 70 bzw. 90 Minuten. Teilweise nicht kinderwagentauglich (aber es gibt eine Alternativroute).

Maiwetter 2021 - es soll Ihnen veranschaulichen, in welche Richtung es bei der heutigen Tour geht, nämlich nur in eine - aufwärts, “stairways to heaven“ eben. Obwohl, ganz nach oben reicht es dann doch nicht, dazu müssen Sie in Ihrem Leben schon mehr Gutes tun oder getan haben. Aber gut, heute ist nun wirklich Schluss mit lustig und dem historischen Schnickschnack und es wird richtig sportlich.

Der erste Teil der Strecke ist Ihnen schon von unserer ersten Tour bekannt: Richtung Rappen, dann rechts in den Weinbergweg einbiegen. Auf halber Strecke steht rechts ein Baumstumpf, kurz danach eine große Eiche. Hier biegen Sie links ab.

Keine Angst, es gibt nur diese eine Möglichkeit nach links zu gehen, alles andere wäre unverantwortlich und würde unweigerlich einen Großeinsatz der Jagsthäuser Feuerwehr nach sich ziehen, um Sie zu bergen. (An dieser Stelle kann man im Namen der Bürger auch mal einen Dank an die Frauen und Männer unserer freiwilligen Feuerwehr aussprechen, die, wie die jüngste Vergangenheit gezeigt hat, ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil unseres Ortes sind).

Noch einen kurzen Blick zurück zu einer der beiden großen Jagstschleifen in Jagsthausen, dann geht es nur noch bergauf. Aber keine Angst, ich habe den Weg extra für Sie freigeschnitten und ich würde es sehr bedauern, wenn Sie jetzt kneifen. Na also, geht doch. Wenn Sie dann Freude im Herzen (wegen der schönen Aussicht) und elektrisches Fieber in den Waden (wegen der Stufen) spüren, haben Sie alles richtig gemacht. Das heißt, wie viele Stufen waren es eigentlich? Haben Sie mitgezählt? Wenn nicht, na ja, Sie wissen, was das bedeutet …

So nun aber zu denen, die an der Eiche nicht links ins Niemandsland abgebogen sind. Laufen Sie weiter bis zur Limes-Schautafel und folgen Sie dann links dem Weg Nr. 2 und Nr. 8. Oben angekommen (es zieht sich ein bisschen) überqueren Sie die Kreisstraße und gehen weiter bergauf, bis Sie ganz oben sind.

Wenn Sie dann denken, den höchsten Punkt erreicht zu haben, muss ich Sie leider enttäuschen, der ist nämlich noch 11 m höher, aber wo ist er? Das wäre die erste Frage der heutigen Tour. Geben Sie sich keine Blöße, es kann nicht sein, dass Sie wissen, wo der höchste Punkt der Erde ist, aber bei Jagsthausen schwächeln.

Jetzt müssen wir versuchen, die beiden Gruppen wieder zusammenzubringen. Also, beide können nichts falsch machen, wenn Sie ab jetzt immer bergab gehen. Die „Treppensteigergruppe“ geht auf der Kreisstraße bis zur nächsten Kurve, dort geradeaus auf den kleinen Weg. Hier warten Sie bis die andere Gruppe von oben kommt, dann gehen Sie gemeinsam weiter in Richtung Jagsthausen. Falls Sie noch Lust auf einen schönen Abschnitt und etwas Entspannung haben, gehen Sie gleich an der nächsten Möglichkeit den Feldweg rechts. Hier erleben Sie Natur pur und können an der nächsten Bank einen etwas anderen Blick auf Jagsthausen werfen.

Entschleunigen Sie hier ein paar Minuten. Versuchen Sie an nichts zu denken, wetten, Sie schaffen es nicht. Gedanken und Erinnerungen kann man nicht so einfach abschalten.

Wenn Sie noch mehr Zeit haben, bleiben Sie bis es dämmert. Dann könnte es sein, dass Ihnen ein Stück weiter im Kripfenloch Appolonia begegnet, eine arme Frau, die vor vielen Jahren hier gelebt hat. Um Ihren Lebensunterhalt aufzubessern, hat Sie für die reichen Leuten die Wäsche gewaschen. Die Arbeit nahm jedoch so überhand, dass Sie für Ihre eigene Wäsche nur noch sonntags Zeit hatte und weil Sie sich dafür schämte, wusch Sie diese heimlich unten an der Jagst. Eines Tages war Sie unachtsam und Ihre Wäsche schwamm plötzlich davon. Das wäre ein großer Verlust für Sie gewesen, deshalb versuchte Sie Ihre Wäsche zu retten, wobei Sie ertrank. Sie ist immer noch auf der Suche nach Ihrer Wäsche und man kann sie in Vollmondnächten sehen, wie sie mit ihrem leeren Korb in einem wehend weißen Gewand an der Jagst auf und ab geht.

Diese und andere spannenden Geschichten erzählt Ihnen gerne Regina Fürstenau im Sommer, wenn es wieder möglich ist, beim Spaziergang durch den Ort und die Umgebung. So, das war die Anekdote dieser Tour und ein bisschen Schleichwerbung für uns Gästeführer in Jagsthausen.

Wenn Sie ein bisschen Gelassenheit getankt haben, gehen Sie weiter. Vorbei an den zahlreichen Steinriegeln oder besser gesagt, mittendurch, bis der Weg steil abwärts führt. Sie gehen aber nicht auf der anderen Seite wieder hinauf, sondern links den Trampelpfad weiter bergab, bis Sie aus dem Wald kommen. Den Rest können Sie ohne Navi auf Sicht laufen, viel Spaß - auch mit dem anstehenden Muskelkater.

Apropos Steinriegel - und das ist heute die zweite Frage - woher kommen die eigentlich? Und wem das zu einfach ist, der kann sich mal passend zu den Steinriegeln an dem Begriff „Mostloch“ versuchen, wieder einmal unnützes Wissen, aber man kann sich ja nicht sicher sein, ob man nicht einmal von Günther Jauch danach gefragt wird.

Das nächste Mal wird es wieder gemütlicher mit der Tour „Jede Zeit hat ihren Ort“, versprochen.

 

Dank Ihrer zahlreichen Rückmeldungen hier noch einige Ergänzungen zur letzten Tour.

Der ehemalige Wohnturm der Berlichingens war schon 1770 eine Ruine und wurde um 1900 abgerissen. Das jetzige Gebäude steht aber in etwa an dieser Stelle und soll daran erinnern. Götz wurde als jüngstes Kind in Jagsthausen geboren, von seinen Geschwistern kann man nicht bei allen mit Sicherheit sagen, ob sie in Berlichingen geboren wurden, da Vater Kilian 3-mal verheiratet war.

Ein Leser hat den Vorschlag gemacht, die Wanderung auf der Bahntrasse Olnhausen Jagsthausen als Jungesellen/innenabschied anzubieten, dem ist, glaube ich, nichts hinzuzufügen, außer vielleicht, dass wir gerne Fotomaterial davon hätten. Zum Thema „Bähnle“, vor allem der Grenzübertritte, gab es mehr als zwei Meinungen. In der nächsten Ausgabe werde ich das gern in einem „Jagsttalbahnspecial“, um es mal in Neudeutsch auszudrücken, nach bestem Wissen und Gewissen auflösen.

Siegfried Krause

Fragen, Anregungen, Kritik und Sonstiges gerne per E-Mail.

Immer ganz oben zu finden - der Wasserturm. Sie haben es natürlich geahnt, der höchste Punkt muss in der Nähe des Wasserturms sein. Bei uns in Jagsthausen ist dieser mit 348,5 m über N. N. im Gewann „Schönbüchle“ zu finden. Der tiefste Punkt befindet sich übrigens mit 185 m über N. N. an der großen Jagstschleife in Richtung Olnhausen im Gewann „Sand“.

Apropos Höhen und Tiefen, nur so zum Vergleich, (Wenn Sie genug vom unnützen Wissen haben überlesen Sie einfach diesen Abschnitt) Jagsthausen hat am Rathaus mit 212 m exakt die gleiche Meereshöhe wie Neu-Delhi in Indien, wer hätte das gedacht.

Sehr viel tiefer, teilweise 12 m unter dem Meeresspiegel, liegt mit Baku (Aserbaidschan) die am tiefsten gelegene Hauptstadt der Erde. Baku ist den Motorsportfreunden vom letzten Formel 1 Rennen sicherlich ein Begriff. Kein Problem mit Hochwasser dürfte dagegen die in den Anden gelegene Hauptstadt Boliviens La Paz haben. Sie liegt auf einer stattlichen Höhe von 3650 m und damit um rund 700 m höher als Deutschlands höchster Punkt, die Zugspitze.

Steinriegel oder auch Lesesteinriegel sind Aufschichtungen von Lesesteinen (alle von Hand!). Ab dem späten Mittelalter wurde in Süddeutschland auch an ungünstigeren Hängen Wein angebaut. Deshalb musste der flachgründige Muschelkalkboden regelmäßig gehackt werden. Die Steine, die dabei zum Vorschein kamen, wurden dann von beiden Seiten an der Grundstücksgrenze abgelegt. So entstanden die Steinriegel, die noch den positiven Nebeneffekt hatten, die Sonnenwärme zu speichern. Seit 1992 gelten Steinriegel als Naturdenkmale.

Als Mostloch bezeichnete man eine Nische, die mit größeren Steinen in den Steinriegel eingefügt wurde, um bei den schweißtreibenden Arbeiten im Weinberg die Getränke (Most) kühl zu halten.

Da haben Sie mich ja richtig herausgefordert mit der badisch-württembergischen Grenze entlang der Jagsttalbahn, aber Sie wissen ja, man wächst an seinen Aufgaben.

Vielen Dank an Rolf Tönges, der mir sein altes Kartenmaterial zur Verfügung gestellt hat. Deswegen wird es jetzt ganz genau, aber das müssen Sie über sich ergehen lassen.

Also, wir starten in Möckmühl. Bei Kilometer 2,3 kreuzt die Bahn kurz vor Ruchsen die Fabrikstraße und gleichzeitig die Grenze zum Badnerland, aber da bleibt sie nur kurz, denn bereits bei Kilometer 3,8 geht es zurück ins Württembergische. Rechts befindet sich hier ein alter Grenzstein, links ein Schild der Stadt Möckmühl. Lehnen Sie sich entspannt zurück, genießen Sie das Schwabenland, bevor Sie bei Kilometer 28 die Jagstbrücke erreichen und vor Winzenhofen erneut ins Badische wechseln. Allerdings auch hier nur kurz, denn bei Kilometer 28,8, wenn der Weg zum Marlacher Sportplatz gekreuzt wird, wechselt es erneut nach Württemberg, aber auch hier nur für 600 m im Niemandsland. Marlach ist dann wieder badisch. Kurz vor Dörzbach, nachdem die Straße nach Laibach überquert wird, wird es bei Kilometer 37,3 wieder württembergisch. Von den 39,1 km befinden sich die Bahntrassen 28,5 km auf ehemals württembergischem und 10,6 km auf badischem Gebiet.

Als kleine Korrektur wäre noch anzumerken, dass es sich bei dem Foto im Gemeindeblatt nicht um die Helene handelt, sondern um eine ihrer Schwestern, die „Seitenstickel Lok“, was vom Fachmann unschwer am Tender zu erkennen ist. Da in den 80er-Jahren bis zu sechs Loks eingesetzt wurden, sei mir diese kleine Unkorrektheit verziehen.

1988 waren es übrigens stolze 44.000 Fahrgäste, so viel zu unrentabel.

Siegfried Krause
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